Ahnentafel, Stammbaum, Nachfahrentafel: die Unterschiede

Ahnentafel, Stammbaum und Nachfahrentafel werden oft verwechselt. Dieser Ratgeber erklärt die Begriffe, die Kekulé-Nummerierung, gängige Darstellungsformen und die Verwandtschaftsgrade.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Ahnentafel zeigt alle Vorfahren einer Person, eine Nachfahrentafel alle Nachkommen.
  • Ein Stammbaum im engeren Sinn zeigt die Nachkommen eines Stammvaters; umgangssprachlich meint das Wort jede Familienübersicht.
  • Eine Stammtafel verfolgt nur den Mannesstamm, also die Träger des Familiennamens.
  • In der Kekulé-Nummerierung hat der Proband die Nummer 1, der Vater einer Person mit der Nummer n die Nummer 2n und die Mutter die Nummer 2n + 1.
  • Ahnenschwund (Implex) entsteht, wenn Vorfahren miteinander verwandt waren und deshalb mehrfach in der Ahnentafel vorkommen.

Ahnentafel, Stammbaum, Nachfahrentafel: die Begriffe im Überblick

Im Alltag nennen viele jede genealogische Übersicht einen Stammbaum. In der Genealogie werden die Begriffe genauer unterschieden. Der wichtigste Unterschied ist die Blickrichtung: Geht es um die Vorfahren einer Person oder um ihre Nachkommen?

BegriffWer ist enthalten?Blickrichtung
Ahnentafelalle Vorfahren einer Personzurück in die Vergangenheit
Stammbaum (im engeren Sinn)die Nachkommen eines Stammvaters oder Stammelternpaaresnach vorn in Richtung Gegenwart
Nachfahrentafelalle Nachkommen einer Person, über Söhne und Töchternach vorn
StammtafelNachkommen im Mannesstamm, also die Namensträgernach vorn
VerwandtschaftstafelVorfahren, Nachkommen und Seitenverwandtein mehrere Richtungen

Ahnentafel

Eine Ahnentafel ist eine Übersicht aller Vorfahren einer bestimmten Person. Diese Ausgangsperson heißt in der Genealogie Proband. Die Zahl der Ahnen verdoppelt sich mit jeder Generation: zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern. Geschwister, Onkel oder Cousins kommen in einer Ahnentafel nicht vor. Schreibt man sie als nummerierte Liste, spricht man auch von einer Ahnenliste.

Stammbaum

Ein Stammbaum ist im engeren Sinn die Darstellung der Nachkommen eines Stammvaters oder Stammelternpaares. Das Bild erklärt den Namen: Der Stammvater bildet den Stamm, seine Nachkommen verzweigen sich wie Äste. Umgangssprachlich meint „Stammbaum“ dagegen jede Familienübersicht – auch eine, die Vorfahren zeigt. Im Alltag ist diese weite Bedeutung völlig in Ordnung.

Nachfahrentafel

Eine Nachfahrentafel zeigt alle Nachkommen einer Person: Kinder, Enkel, Urenkel und so weiter – über Söhne und Töchter gleichermaßen. Sie eignet sich zum Beispiel für ein Familientreffen, zu dem alle Nachkommen eines Paares eingeladen werden.

Stammtafel

Eine Stammtafel ist eine eingeschränkte Nachfahrentafel. Sie verfolgt nur den Mannesstamm, also die Linie, in der der Familienname weitergegeben wurde. Töchter werden meist noch genannt, ihre Kinder aber nicht weiter verfolgt, weil sie in der Regel einen anderen Familiennamen trugen. Stammtafeln waren besonders in Adelsfamilien verbreitet.

Verwandtschaftstafel

Eine Verwandtschaftstafel verbindet Vorfahren und Nachkommen und bezieht Seitenverwandte ein – etwa Geschwister, Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen. Sie ist die umfassendste, aber auch die unübersichtlichste Form. Viele Stammbäume, die Familien heute am Computer führen, sind im Grunde solche Verwandtschaftstafeln.

Kekulé-Nummerierung: jeder Ahne hat eine feste Zahl

Die Kekulé-Nummerierung ist ein Verfahren, jeder Person in einer Ahnentafel eine eindeutige Nummer zuzuordnen. Sie ist nach dem Genealogen Stephan Kekulé von Stradonitz benannt und im deutschsprachigen Raum das übliche System. Die Regeln sind einfach:

Daraus folgt: Männer tragen gerade Nummern, Frauen ungerade – nur der Proband hat unabhängig vom Geschlecht die 1. Die Ehefrau eines Ahnen mit der Nummer n hat die Nummer n + 1. Und das Kind eines Ahnen findet man, indem man dessen Nummer durch 2 teilt und abrundet.

NummerPersonRechnung
1ProbandAusgangsperson
2Vater2 × 1
3Mutter2 × 1 + 1
4Großvater väterlicherseits2 × 2
5Großmutter väterlicherseits2 × 2 + 1
6Großvater mütterlicherseits2 × 3
7Großmutter mütterlicherseits2 × 3 + 1
8Vater des Großvaters väterlicherseits2 × 4
15Mutter der Großmutter mütterlicherseits2 × 7 + 1

Ein Beispiel: Wer ist Nummer 10? Die 10 ist gerade, also handelt es sich um einen Mann. 10 geteilt durch 2 ergibt 5 – die Großmutter väterlicherseits. Nummer 10 ist also ihr Vater und damit ein Urgroßvater des Probanden.

Der große Vorteil: Die Nummer bleibt gleich, auch wenn Sie später weitere Ahnen finden. In Listen und im Austausch mit anderen Forschern ist sofort klar, wer gemeint ist.

Generationen zählen

In der Ahnentafel verdoppelt sich die Zahl der möglichen Vorfahren mit jeder Generation. Zählt man den Probanden als erste Generation, gilt:

GenerationBezeichnungAnzahl AhnenKekulé-Nummern
1Proband11
2Eltern22–3
3Großeltern44–7
4Urgroßeltern88–15
5Ururgroßeltern1616–31
6Urururgroßeltern3232–63
10–512512–1023

Die erste Nummer jeder Generation ist eine Zweierpotenz. In der zehnten Generation wären es rechnerisch bereits 512 Ahnen. Manche Forscher zählen allerdings die Eltern als erste Generation. Achten Sie deshalb darauf, wie in einer Quelle gezählt wird. Als grobe Faustregel rechnen viele mit etwa 25 bis 35 Jahren je Generation.

Darstellungsformen: Baum, Fächer und Liste

Baumdiagramm

Das klassische Baumdiagramm zeigt Personen als Kästchen, verbunden durch Linien. Es ist anschaulich und für wenige Generationen ideal. Bei vielen Personen wird es schnell sehr breit – ein Diagramm über zehn Generationen passt kaum noch auf ein Blatt.

Fächer- oder Kreisdiagramm

Beim Fächerdiagramm steht der Proband in der Mitte oder am unteren Rand. Die Vorfahren sind in Ringen oder Halbkreisen darum angeordnet, jede Generation einen Ring weiter außen. So passen viele Generationen auf wenig Platz, und Lücken in der Forschung fallen sofort auf. Für Nachkommen und Seitenverwandte eignet sich diese Form weniger.

Liste

Listen sind die übersichtlichste Form für große Datenmengen. Eine Ahnenliste führt die Vorfahren mit ihren Kekulé-Nummern auf, eine Nachfahrenliste die Nachkommen. Listen lassen sich gut drucken, durchsuchen und weitergeben, sind aber weniger anschaulich als ein Diagramm.

Welche Form die richtige ist, hängt vom Zweck ab:

Ahnenschwund: wenn Vorfahren mehrfach vorkommen

Ahnenschwund, auch Implex genannt, bedeutet, dass dieselben Personen an mehreren Stellen einer Ahnentafel vorkommen. Er entsteht, wenn Vorfahren miteinander verwandt waren, etwa bei einer Ehe zwischen Cousin und Cousine.

Ein Beispiel: Sind die Eltern eines Probanden Cousin und Cousine ersten Grades, haben sie ein gemeinsames Großelternpaar. Der Proband hat dann statt acht nur sechs verschiedene Urgroßeltern. In der Kekulé-Nummerierung behalten die doppelt vorkommenden Personen trotzdem beide Nummern.

Ohne Ahnenschwund hätte jeder Mensch 30 Generationen zurück rechnerisch mehr als eine Milliarde Vorfahren – deutlich mehr, als damals Menschen auf der Erde lebten. Tatsächlich stammten Ehepartner früher oft aus demselben Dorf oder derselben Gegend und waren nicht selten entfernt miteinander verwandt. Ahnenschwund ist daher in jeder Ahnentafel zu erwarten, die weit genug zurückreicht.

Verwandtschaftsgrade: Cousin 2. Grades und Co.

Im Alltag werden Verwandte in der Seitenlinie nach Graden benannt. Maßgeblich ist, welche Vorfahren zwei Personen gemeinsam haben:

BezeichnungGemeinsame Vorfahren
GeschwisterEltern
Cousin oder Cousine 1. GradesGroßeltern – die Eltern sind Geschwister
Cousin oder Cousine 2. GradesUrgroßeltern – die Eltern sind Cousins 1. Grades
Cousin oder Cousine 3. GradesUrurgroßeltern – die Eltern sind Cousins 2. Grades

Schwieriger wird es bei Verwandten aus verschiedenen Generationen, etwa beim Kind Ihrer Cousine. Dafür gibt es im Deutschen keine einheitliche Bezeichnung; im Alltag werden unterschiedliche Begriffe verwendet, die nicht immer dasselbe meinen. Eindeutig ist die aus dem Englischen übernommene Form „Cousin 1. Grades, einmal entfernt“. Halten Sie im Stammbaum deshalb lieber die tatsächliche Abstammung fest als eine Bezeichnung.

Vom umgangssprachlichen Grad zu unterscheiden ist der Verwandtschaftsgrad im rechtlichen Sinn. Nach § 1589 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bestimmt er sich nach der Zahl der vermittelnden Geburten. Geschwister sind danach im zweiten Grad verwandt, Onkel und Neffe im dritten, Cousins ersten Grades im vierten Grad der Seitenlinie.

Wie Sie die Angaben für Ihre eigene Ahnentafel zusammentragen, erklärt der Ratgeber Stammbaum erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Ahnentafel und Stammbaum?

Eine Ahnentafel zeigt die Vorfahren einer Person, blickt also zurück. Ein Stammbaum im engeren Sinn zeigt die Nachkommen eines Stammvaters; im Alltag wird das Wort aber für jede Familienübersicht verwendet.

Wie funktioniert die Kekulé-Nummerierung?

Der Proband erhält die Nummer 1. Der Vater einer Person mit der Nummer n erhält 2n, die Mutter 2n + 1. So haben Männer gerade und Frauen ungerade Nummern.

Wie viele Ahnen gibt es in der zehnten Generation?

Zählt man den Probanden als erste Generation, sind es rechnerisch 512 Ahnen. Durch Ahnenschwund sind es tatsächlich oft weniger verschiedene Personen.

Was ist ein Cousin 2. Grades?

Cousins 2. Grades haben gemeinsame Urgroßeltern; ihre Eltern sind Cousins 1. Grades. Cousins 1. Grades haben dagegen gemeinsame Großeltern.

Was bedeutet Ahnenschwund?

Ahnenschwund oder Implex bedeutet, dass dieselben Vorfahren mehrfach in einer Ahnentafel vorkommen, etwa weil Vorfahren Cousin und Cousine waren. Die Zahl der tatsächlich verschiedenen Ahnen ist dann kleiner als rechnerisch möglich.