Stammbaum erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Einen Stammbaum zu erstellen ist leichter, als viele denken. Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Sie beginnen, Namen, Daten und Quellen sauber erfassen und typische Fehler vermeiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Beginnen Sie bei sich selbst und arbeiten Sie sich Generation für Generation zurück.
- Befragen Sie ältere Verwandte früh und sammeln Sie die Dokumente, die in der Familie vorhanden sind.
- Erfassen Sie Frauen mit ihrem Geburtsnamen und unsichere Daten ehrlich als „um“, „vor“, „nach“ oder „zwischen“.
- Notieren Sie zu jeder Angabe die Quelle und schreiben Sie Orte mit ihrem damaligen Namen.
- Schützen Sie die Daten lebender Personen, bevor Sie Ihren Stammbaum weitergeben.
Stammbaum erstellen: die Schritte im Überblick
Einen Stammbaum zu erstellen heißt, die eigene Familie Generation für Generation zu erfassen – mit Namen, Lebensdaten, Orten und den Belegen dafür. Vorwissen brauchen Sie nicht. Wichtig ist nur, von Anfang an sorgfältig zu arbeiten. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Bei sich selbst anfangen und von dort Generation für Generation zurückgehen.
- Die Familie befragen, solange ältere Verwandte noch erzählen können.
- Dokumente im Haus sammeln: Urkunden, Stammbücher, Briefe und Fotos.
- Namen und Daten erfassen, auch wenn sie nur ungefähr bekannt sind.
- Quellen notieren, damit jede Angabe nachvollziehbar bleibt.
- Orte korrekt schreiben, möglichst mit ihrem damaligen Namen.
- Ein passendes Werkzeug wählen – Papier, Software oder einen Online-Stammbaum.
Nehmen Sie sich Zeit. Ahnenforschung ist kein Wettlauf. Ein kleiner, gut belegter Stammbaum ist wertvoller als ein großer mit vielen Vermutungen.
Schritt 1: Bei sich selbst anfangen
Der sicherste Einstieg ist die eigene Person. Tragen Sie zuerst sich selbst ein, dann Ihre Eltern, danach Ihre Großeltern. So arbeiten Sie sich vom Bekannten zum Unbekannten vor, und jede neue Generation baut auf Angaben auf, die Sie bereits geprüft haben.
Beginnen Sie nicht bei einer bekannten Persönlichkeit mit gleichem Nachnamen, von der Sie hoffen, dass sie zur Familie gehört. Ein gleicher Name ist noch keine Verwandtschaft. Der Weg zurück führt über Belege, nicht über Vermutungen.
Notieren Sie für jede Person möglichst:
- alle Vornamen und den Familiennamen, bei verheirateten Personen auch den Geburtsnamen,
- Geburt oder Taufe mit Datum und Ort,
- Heirat mit Datum, Ort und Ehepartner,
- Tod oder Begräbnis mit Datum und Ort,
- Beruf, Konfession und Wohnorte, soweit bekannt.
Schritt 2: Die Familie befragen
Das Wissen älterer Verwandter ist oft die wertvollste Quelle – und die vergänglichste. Viele Details stehen in keinem Archiv: Spitznamen, Berufe, Umzüge, früh verstorbene Geschwister oder der Grund, warum die Familie einst in eine andere Stadt zog.
Sprechen Sie deshalb früh mit Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln. Fragen Sie auch nach Personen, die nur vom Hörensagen bekannt sind. Halten Sie fest, wer was erzählt hat. Erinnerungen sind wertvoll, können sich aber in Einzelheiten irren, etwa bei Jahreszahlen. Behandeln Sie sie als Hinweis, den Sie später mit Dokumenten abgleichen.
Eine ausführliche Fragenliste finden Sie im Ratgeber Fragen an Oma und Opa.
Schritt 3: Dokumente im Haus sammeln
Bevor Sie Standesämter oder Archive anschreiben, lohnt sich die Suche in Schubladen, Kartons und auf Dachböden – bei Ihnen und bei Verwandten. Typische Fundstücke sind:
- Familienstammbücher mit Einträgen zu Heirat, Geburten und Sterbefällen,
- Urkunden wie Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden,
- Ahnenpässe aus den 1930er- und 1940er-Jahren, die im Nationalsozialismus dem sogenannten Abstammungsnachweis dienten und oft mehrere Generationen zurückreichen,
- Taufscheine sowie Konfirmations- und Kommunionurkunden,
- Sterbebilder und Traueranzeigen, die Lebensdaten und Angehörige nennen,
- Briefe, Postkarten und Feldpost mit Namen, Orten und Datumsangaben,
- Zeugnisse, Arbeitsbücher und Meisterbriefe zu Schule und Beruf,
- Fotos – vor allem ihre Rückseiten mit Notizen oder dem Stempel des Fotoateliers.
Fotografieren oder scannen Sie jedes Dokument, bevor Sie es auswerten, und geben Sie Originale möglichst nicht aus der Hand. Benennen Sie die Dateien verständlich, zum Beispiel mit Name, Art und Jahr: „Mueller-Anna-Heiratsurkunde-1921“.
Schritt 4: Namen und Daten richtig erfassen
Namen
Erfassen Sie Frauen immer mit ihrem Geburtsnamen, also dem Familiennamen vor der Heirat. Nur so lassen sich Familien über Generationen verbinden. Der Name nach der Heirat ergibt sich in der Regel aus der Ehe.
Übernehmen Sie Namen so, wie sie in der Quelle stehen. Schreibweisen wechselten früher häufig: Aus „Maier“ wurde „Meyer“, aus „Schmid“ „Schmidt“. Notieren Sie abweichende Schreibweisen zusätzlich, statt sie zu vereinheitlichen. Auch der Rufname ist wichtig: Wer als „Johann Friedrich“ getauft wurde, hieß im Alltag vielleicht nur „Fritz“.
Unsichere Datumsangaben
Oft kennen Sie ein Datum nicht genau. Das ist kein Grund, es wegzulassen. Erfassen Sie es als unscharfe Angabe – und zwar ehrlich. Ein geschätztes Jahr sollte nie wie ein belegtes aussehen.
| Angabe | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| um | ungefähr, etwa aus einer Altersangabe errechnet | um 1850 |
| vor | spätestens zu diesem Zeitpunkt | vor 1875 |
| nach | frühestens zu diesem Zeitpunkt | nach 1901 |
| zwischen | irgendwann innerhalb dieser Spanne | zwischen 1848 und 1852 |
| von … bis | ein Zeitraum, etwa für einen Wohnort oder Beruf | von 1920 bis 1935 |
Ein Beispiel: In einer Sterbeurkunde von 1910 steht „im Alter von 62 Jahren“. Daraus folgt eine Geburt „um 1848“, genauer „zwischen 1847 und 1848“. Vermerken Sie dazu, woraus Sie das Datum abgeleitet haben.
Schreiben Sie Datumsangaben eindeutig, etwa „3. März 1921“ oder „03.03.1921“. Vermeiden Sie Kurzformen wie „3.3.21“ – bei einem Stammbaum über mehrere Jahrhunderte ist das Jahrhundert sonst unklar.
Schritt 5: Zu jeder Angabe die Quelle notieren
Eine Quellenangabe beantwortet die Frage: Woher weiß ich das? Sie ist das Fundament jedes seriösen Stammbaums. Ohne Quelle können weder Sie selbst noch andere eine Angabe später überprüfen.
Eine gute Quellenangabe enthält:
- die Art der Quelle, etwa Taufbuch, Heiratsurkunde oder Gespräch,
- den Aufbewahrungsort, etwa Standesamt, Pfarramt, Archiv oder Familienbesitz,
- die genaue Fundstelle mit Jahrgang, Seite oder Registernummer,
- bei Gesprächen, wer etwas erzählt hat und wann.
Unterscheiden Sie dabei zwischen Original und Abschrift. Ein zeitgenössischer Kirchenbucheintrag ist verlässlicher als eine spätere Abschrift, ein Ahnenpass oder eine Angabe in einem fremden Online-Stammbaum. Solche Angaben sind nützliche Hinweise, aber kein Beweis.
Schritt 6: Orte mit ihrem damaligen Namen erfassen
Orte verändern sich: Gemeinden werden zusammengelegt, Kreise aufgelöst, Grenzen verschoben. Erfassen Sie einen Ort deshalb so, wie er zum Zeitpunkt des Ereignisses hieß, und ergänzen Sie die heutige Zuordnung. Zum Beispiel:
- „Breslau, Schlesien“ – heute Wrocław, Polen,
- „Königsberg, Ostpreußen“ – heute Kaliningrad, Russland,
- ein Dorf, das heute Ortsteil einer größeren Gemeinde ist, mit beiden Namen.
Nennen Sie zusätzlich eine übergeordnete Einheit, etwa Kreis, Provinz oder Land. Viele Ortsnamen gibt es mehrfach – „Neustadt“ etwa findet sich in Deutschland sehr oft. Ohne Zusatz lässt sich später nicht mehr sagen, welcher Ort gemeint war.
Hilfreich ist ein historisches Ortsverzeichnis. Der Verein für Computergenealogie betreibt dafür das Geschichtliche Ortsverzeichnis (GOV), das frühere und heutige Zugehörigkeiten vieler Orte zeigt. Den Einstieg finden Sie über compgen.de.
Online, Papier oder Software: womit Sie Ihren Stammbaum führen
Für die Frage, womit Sie Ihren Stammbaum erstellen, gibt es drei gängige Wege. Jeder hat Stärken und Schwächen:
| Weg | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Papier und Ordner | einfacher Einstieg, keine Technik nötig | ab einigen Dutzend Personen unübersichtlich, Änderungen mühsam, schwer zu teilen |
| Software auf dem Computer | viele Funktionen, Daten liegen auf dem eigenen Gerät | Installation nötig, an ein Gerät gebunden, Sicherungen müssen Sie selbst organisieren |
| Online-Stammbaum im Browser | von Computer, Tablet und Smartphone erreichbar, gemeinsame Arbeit mit der Familie möglich | Internetverbindung nötig; der Anbieter sollte Datenschutz und Datensicherung klar regeln |
Achten Sie unabhängig vom Werkzeug auf zwei Dinge: Ihre Daten sollten sich als GEDCOM-Datei exportieren lassen, und es sollte eine vollständige Sicherung geben. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber GEDCOM-Datei: Stammbaum übertragen und sichern. Welche Darstellung Sie am Ende wählen – Stammbaum, Ahnentafel oder Fächer –, erklärt der Beitrag Ahnentafel, Stammbaum, Nachfahrentafel: die Unterschiede.
Typische Fehler beim Stammbaum erstellen
Personen mit gleichem Namen verwechseln
In vielen Dörfern lebten zur gleichen Zeit mehrere Männer namens „Johann Schmidt“. Prüfen Sie deshalb immer mehrere Merkmale: Alter, Ehepartner, Eltern, Beruf und Wohnort. Passen diese nicht zusammen, handelt es sich wahrscheinlich um verschiedene Personen.
Annahmen als Fakten eintragen
„Das muss der Vater sein“ ist keine Quelle. Kennzeichnen Sie Vermutungen deutlich als solche, etwa in einer Notiz. Sonst übernehmen andere Ihre Annahme später als Tatsache – und Sie selbst vergessen, dass sie nie belegt war.
Quellen nicht notieren
Wer Quellen erst „später“ ergänzen will, findet sie oft nicht wieder. Notieren Sie die Fundstelle sofort, auch wenn es zunächst nur ein Stichwort ist.
Unplausible Daten übersehen
Eine Mutter, die bei der Geburt ihres Kindes erst acht Jahre alt gewesen wäre, oder ein Kind, das Jahre nach dem Tod seiner Mutter geboren sein soll, deuten auf einen Fehler hin. Klären Sie solche Widersprüche, bevor Sie weiterforschen.
Fremde Online-Stammbäume ungeprüft übernehmen
Angaben aus fremden Stammbäumen können stimmen – oder einen Fehler seit Jahren weitertragen. Nutzen Sie sie als Hinweis und suchen Sie selbst nach der ursprünglichen Quelle.
Lebende Personen schützen
Ein Stammbaum enthält persönliche Daten, bei Lebenden etwa Geburtsdaten, Wohnorte und Familienverhältnisse. Diese Daten verdienen Schutz. Beachten Sie deshalb:
- Veröffentlichen Sie Daten lebender Personen nicht ohne deren Einverständnis.
- Kürzen Sie Lebende, wenn Sie Ihren Stammbaum an andere weitergeben, zum Beispiel auf „lebende Person“ ohne Daten.
- Gehen Sie auch mit sensiblen Angaben über Verstorbene behutsam um, etwa zu Krankheiten oder nichtehelichen Kindern, wenn deren Nachkommen noch leben.
- Teilen Sie Fotos von Lebenden nur mit deren Zustimmung.
Im Zweifel gilt: lieber zu wenig veröffentlichen als zu viel. Eine Rechtsberatung ersetzt dieser Hinweis nicht.
Die nächsten Schritte
Haben Sie zusammengetragen, was die Familie weiß, geht es an Standesämter, Kirchenbücher und Archive. Welche Quellen es gibt und wie Sie an sie herankommen, lesen Sie im Ratgeber Ahnenforschung: Standesamt, Kirchenbuch und Archiv.
Den Stammbaum online mit Ahnivo führen
Wenn Sie Ihren Stammbaum im Browser erstellen möchten, ist Ahnivo eine Möglichkeit: Sie erfassen Personen, Familien und Ereignisse ohne Installation, auch mit unscharfen Datumsangaben wie „um“, „vor“, „nach“ oder „zwischen“. Plausibilitätshinweise machen auf widersprüchliche Daten aufmerksam, und ein Änderungsverlauf erlaubt es, Änderungen rückgängig zu machen. Fotos und Dokumente ordnen Sie den Personen zu, Verwandte laden Sie mit passenden Rechten ein, und per GEDCOM übernehmen Sie einen vorhandenen Stammbaum oder sichern ihn. Ahnivo wird in Deutschland gehostet, zeigt keine Werbung und gleicht Ihre Daten nicht mit fremden Stammbäumen ab. Sie können es 14 Tage kostenlos testen.
Häufige Fragen
Wo fange ich beim Stammbaum erstellen an?
Bei sich selbst. Tragen Sie zuerst Ihre eigenen Daten ein, dann die Ihrer Eltern und Großeltern. So baut jede Generation auf bereits geprüften Angaben auf.
Was mache ich, wenn ich ein Datum nicht genau kenne?
Erfassen Sie es als unscharfe Angabe, etwa „um 1850“, „vor 1875“ oder „zwischen 1848 und 1852“. Notieren Sie dazu, woraus Sie das Datum abgeleitet haben.
Warum sind Quellenangaben so wichtig?
Nur mit Quelle lässt sich eine Angabe später überprüfen – von Ihnen selbst und von anderen. Ohne Quelle setzen sich Fehler und Vermutungen leicht als scheinbare Tatsachen fest.
Muss ich Frauen mit dem Geburtsnamen eintragen?
Ja, das ist in der Genealogie üblich. Nur über den Geburtsnamen lässt sich eine Frau ihrer Herkunftsfamilie zuordnen.
Darf ich Daten lebender Verwandter veröffentlichen?
Nur mit deren Einverständnis. Kürzen Sie lebende Personen, wenn Sie Ihren Stammbaum weitergeben, und gehen Sie auch mit sensiblen Angaben über Verstorbene behutsam um.