GEDCOM-Datei: Stammbaum übertragen und sichern
Mit einer GEDCOM-Datei übertragen Sie Ihren Stammbaum zwischen Programmen und sichern ihn unabhängig von einem Anbieter. Hier lesen Sie, was dabei übertragen wird, was verloren gehen kann und wie Sie Lebende schützen.
Das Wichtigste in Kürze
- GEDCOM ist ein offenes Textformat zum Austausch genealogischer Daten, entwickelt von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
- Verbreitet sind GEDCOM 5.5 und 5.5.1; die grundlegend überarbeitete Version 7.0 erschien 2021.
- Personen, Familien und Ereignisse werden in der Regel zuverlässig übertragen, Fotos meist nur als Verweis, programmspezifische Felder oft gar nicht.
- Prüfen Sie jeden Import in einem leeren Stammbaum und kürzen Sie lebende Personen, bevor Sie eine Datei weitergeben.
- Eine GEDCOM-Datei ergänzt eine vollständige Sicherung, ersetzt sie aber nicht.
Was ist eine GEDCOM-Datei?
GEDCOM ist ein offenes Dateiformat zum Austausch genealogischer Daten zwischen Programmen und Online-Diensten. Der Name steht für „Genealogical Data Communication“. Entwickelt wurde das Format in den 1980er-Jahren von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die es über FamilySearch bis heute pflegt. Die Spezifikation ist unter gedcom.io veröffentlicht.
Eine GEDCOM-Datei trägt meist die Endung „.ged“. Sie enthält Personen, Familien und Ereignisse als reinen Text. Fast jedes Genealogieprogramm kann GEDCOM lesen und schreiben. Deshalb ist das Format der übliche Weg, einen Stammbaum von einem Programm in ein anderes zu übertragen – und eine gute Möglichkeit, die eigenen Daten unabhängig von einem bestimmten Anbieter aufzubewahren.
So sieht eine GEDCOM-Datei von innen aus
Jede Zeile beginnt mit einer Ebenennummer, gefolgt von einem Kennwort (dem sogenannten Tag) und einem Wert. Zeilen mit höherer Nummer gehören zur darüberliegenden Zeile. Ein vereinfachtes Beispiel:
| Zeile in der Datei | Bedeutung |
|---|---|
| 0 @I1@ INDI | Beginn eines Personendatensatzes mit der Kennung I1 |
| 1 NAME Anna /Müller/ | Name; der Familienname steht zwischen Schrägstrichen |
| 1 SEX F | Geschlecht: weiblich |
| 1 BIRT | Ereignis: Geburt |
| 2 DATE ABT 1850 | Datum der Geburt: um 1850 |
| 2 PLAC Hamburg | Ort der Geburt |
| 0 @F1@ FAM | Beginn eines Familiendatensatzes, der Partner und Kinder verbindet |
Für unscharfe Daten gibt es eigene Kürzel: ABT (um), BEF (vor), AFT (nach), BET … AND … (zwischen) sowie FROM … TO … für Zeiträume. Gute Programme übersetzen diese Angaben beim Import richtig.
Wann Sie eine GEDCOM-Datei brauchen
Eine GEDCOM-Datei ist immer dann nützlich, wenn Stammbaumdaten ein Programm verlassen sollen. Typische Anlässe sind:
- Programmwechsel: Sie steigen auf eine andere Software oder einen Online-Dienst um und möchten nicht alles neu eingeben.
- Austausch in der Familie: Ein Verwandter forscht an einem anderen Zweig und möchte Ihre Daten als Grundlage nutzen.
- Austausch mit anderen Forschern: Sie geben einen Ausschnitt Ihres Stammbaums an jemanden weiter, der am selben Ort oder an derselben Familie forscht.
- Unabhängige Sicherung: Sie möchten Ihre Daten zusätzlich in einem Format aufbewahren, das auch ohne das ursprüngliche Programm lesbar bleibt.
GEDCOM-Versionen: 5.5, 5.5.1 und 7.0
| Version | Einordnung | Zeichensatz (vereinfacht) |
|---|---|---|
| GEDCOM 5.5 | lange Zeit der verbreitete Standard, von vielen Programmen unterstützt | häufig ANSEL |
| GEDCOM 5.5.1 | Weiterentwicklung von 5.5, in der Praxis sehr weit verbreitet | ANSEL oder UTF-8 |
| GEDCOM 7.0 | 2021 veröffentlichte, grundlegend überarbeitete Version | UTF-8 vorgeschrieben |
Für den Austausch ist entscheidend, dass das Zielprogramm die Version versteht, die das Quellprogramm schreibt. Viele Programme exportieren weiterhin 5.5.1, weil diese Version am breitesten unterstützt wird. GEDCOM 7.0 bringt unter anderem klarere Regeln und das Paketformat GEDZIP, das die Datei zusammen mit Mediendateien bündeln kann. Die Unterstützung für 7.0 wächst, ist aber noch nicht überall vorhanden.
Was übertragen wird – und was verloren gehen kann
Was in der Regel zuverlässig übertragen wird
- Personen mit Namen und Geschlecht,
- Familien mit Partnern und Kindern,
- Ereignisse wie Geburt, Taufe, Heirat, Tod und Begräbnis mit Datum und Ort,
- Notizen sowie, je nach Programm, Quellenangaben.
Was häufig verloren geht oder sich verändert
- Fotos und Dokumente: Eine GEDCOM-Datei enthält in der Regel nur Verweise auf Mediendateien, nicht die Bilder selbst. Stimmen die Dateipfade auf dem neuen System nicht, fehlen die Bilder.
- Programmspezifische Felder: Viele Programme speichern eigene Angaben mit eigenen Kennwörtern, die meist mit einem Unterstrich beginnen. Andere Programme kennen diese Felder oft nicht und übergehen sie oder legen sie als Notiz ab.
- Darstellung: Diagramm-Layouts, Farben, Markierungen und Druckeinstellungen sind nicht Teil des Standards.
- Quellen: Programme strukturieren Quellenangaben unterschiedlich. Beim Übertragen können Felder zusammengefasst oder anders zugeordnet werden.
- Datumsangaben in freier Form: Texte wie „Frühjahr 1850“ erkennt nicht jedes Programm als Datum.
- Zugriffsrechte und Freigaben: Wer was sehen oder bearbeiten darf, wird nicht übertragen.
Zeichensätze: warum Umlaute kaputtgehen können
Ältere GEDCOM-Dateien verwenden häufig den Zeichensatz ANSEL, neuere meist UTF-8. Liest ein Programm eine Datei mit dem falschen Zeichensatz, werden Umlaute und Sonderzeichen falsch dargestellt – aus „Müller“ wird dann etwa „Müller“. Welcher Zeichensatz verwendet wurde, steht im Kopfbereich der Datei beim Kennwort CHAR. Wählen Sie beim Export nach Möglichkeit UTF-8, sofern das Zielprogramm es unterstützt.
GEDCOM-Datei exportieren: so gehen Sie vor
Wo sich die Exportfunktion befindet, unterscheidet sich von Programm zu Programm. Suchen Sie im Menü oder in der Hilfe Ihres Programms nach den Stichwörtern „GEDCOM“ oder „Export“. Unabhängig vom Programm hat sich dieser Ablauf bewährt:
- Legen Sie vorher eine vollständige Sicherung im programmeigenen Format an.
- Öffnen Sie die GEDCOM-Exportfunktion.
- Wählen Sie, falls möglich, die GEDCOM-Version, die Ihr Zielprogramm unterstützt – im Zweifel 5.5.1.
- Wählen Sie als Zeichensatz möglichst UTF-8.
- Legen Sie fest, ob der ganze Stammbaum oder nur ein Teil exportiert wird und ob Notizen, Quellen und Medienverweise enthalten sein sollen.
- Entscheiden Sie, wie lebende Personen behandelt werden (siehe unten).
- Speichern Sie die Datei mit einem sprechenden Namen und Datum, etwa „Stammbaum-Mueller-2026-09-24.ged“.
- Kopieren Sie Fotos und Dokumente separat, wenn Sie diese ebenfalls übertragen möchten.
GEDCOM importieren und das Ergebnis prüfen
Ein Import sieht schnell erfolgreich aus – Fehler zeigen sich oft erst später. Prüfen Sie deshalb gründlich:
- In einen leeren Stammbaum importieren: Importieren Sie nicht direkt in einen bestehenden Datenbestand. Sonst entstehen leicht doppelte Personen, die Sie mühsam zusammenführen müssen.
- Meldungen lesen: Viele Programme zeigen beim Import Warnungen zu unbekannten Feldern oder fehlerhaften Zeilen an. Notieren oder speichern Sie diese.
- Anzahl vergleichen: Stimmen die Zahlen der Personen und Familien mit dem Ursprungsprogramm überein?
- Stichproben machen: Prüfen Sie einige Personen genau – mit Namen, Daten, Orten, Ehepartnern, Kindern und Quellen.
- Umlaute prüfen: Sehen Sie sich Namen mit ä, ö, ü und ß an.
- Unscharfe Daten prüfen: Wurden „um“, „vor“, „nach“ und „zwischen“ korrekt übernommen?
- Orte prüfen: Sind Ortsangaben vollständig und nicht abgeschnitten?
- Die Ausgangsdaten aufbewahren: Löschen Sie die GEDCOM-Datei und den alten Bestand erst, wenn Sie sicher sind, dass alles angekommen ist.
GEDCOM-Datei weitergeben: Lebende schützen
Eine GEDCOM-Datei ist schnell per E-Mail verschickt oder hochgeladen. Sie enthält aber oft persönliche Daten lebender Verwandter – Namen, Geburtsdaten, Orte und Familienverhältnisse. Bevor Sie eine Datei weitergeben:
- Nutzen Sie die Möglichkeit Ihres Programms, lebende Personen beim Export zu kürzen oder auszulassen, sodass etwa nur „lebende Person“ ohne Daten erscheint.
- Prüfen Sie, woran das Programm erkennt, ob jemand lebt. Häufig gilt eine Person ohne Sterbedatum, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums geboren wurde, als lebend. Personen ganz ohne Daten können dabei durchrutschen.
- Lassen Sie sensible Notizen weg, etwa zu Krankheiten oder Familienkonflikten.
- Geben Sie die Datei nur an Menschen weiter, denen Sie vertrauen, und fragen Sie Betroffene im Zweifel vorher.
Öffnen Sie die exportierte Datei zur Kontrolle in einem einfachen Texteditor und suchen Sie nach Namen lebender Angehöriger. So sehen Sie, ob die Kürzung gegriffen hat.
Regelmäßig sichern: warum GEDCOM allein nicht reicht
Eine GEDCOM-Datei ist eine gute zusätzliche Sicherung, weil fast jedes Programm sie lesen kann – voraussichtlich auch in vielen Jahren noch. Eine vollständige Sicherung ist sie aber nicht: Fotos, Dokumente und programmspezifische Angaben fehlen oft. Sichern Sie deshalb beides:
- eine vollständige Sicherung im Format Ihres Programms oder Dienstes, einschließlich aller Medien,
- eine GEDCOM-Datei als programmunabhängige Reserve.
Bewährt hat sich die sogenannte 3-2-1-Regel: drei Kopien Ihrer Daten, auf zwei unterschiedlichen Speichermedien, davon eine an einem anderen Ort. Sichern Sie nach jeder größeren Arbeitssitzung, mindestens aber in festen Abständen, zum Beispiel monatlich. Prüfen Sie gelegentlich, ob sich eine Sicherung tatsächlich wieder öffnen lässt.
GEDCOM in Ahnivo
In Ahnivo finden Sie Import und Export unter „Import & Export“. Beim Import zeigt Ahnivo vor der Übernahme, wie viele Personen hinzukommen; vorhandene Einträge bleiben erhalten, und der Import lässt sich im Änderungsverlauf rückgängig machen.
Beim Export wählen Sie GEDCOM 7 für aktuelle Programme oder GEDCOM 5.5.1 für ältere. Lebende und als privat markierte Personen erscheinen dabei nur als „Lebende Person“, wenn Sie die Datei weitergeben möchten. Für Ihre eigene Sicherung gibt es zusätzlich eine vollständige ZIP-Datei mit allen Fotos, Dokumenten und Aufnahmen.
Weiterlesen
Wie Sie einen Stammbaum von Grund auf sorgfältig anlegen, lesen Sie im Ratgeber Stammbaum erstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung. Welche Quellen Sie für Ihre Vorfahren nutzen können, erklärt Ahnenforschung: Standesamt, Kirchenbuch und Archiv.
Häufige Fragen
Was ist eine GEDCOM-Datei?
Eine GEDCOM-Datei ist eine Textdatei, meist mit der Endung .ged, die Personen, Familien und Ereignisse eines Stammbaums in einem standardisierten Format enthält. Fast alle Genealogieprogramme können sie lesen und schreiben.
Sind in einer GEDCOM-Datei auch Fotos enthalten?
In der Regel nicht. Die Datei enthält meist nur Verweise auf Mediendateien; die Fotos selbst müssen Sie separat übertragen. GEDCOM 7.0 bietet mit GEDZIP zusätzlich ein Paketformat, das Medien einschließen kann.
Welche GEDCOM-Version soll ich wählen?
Die Version, die Ihr Zielprogramm sicher unterstützt. Im Zweifel ist GEDCOM 5.5.1 mit dem Zeichensatz UTF-8 eine verbreitete Wahl.
Warum sind nach dem Import die Umlaute kaputt?
Meist wurde die Datei mit einem anderen Zeichensatz gelesen, als sie geschrieben wurde, etwa ANSEL statt UTF-8. Exportieren Sie erneut mit UTF-8 oder stellen Sie den Zeichensatz beim Import passend ein.
Ist eine GEDCOM-Datei eine vollständige Sicherung?
Nein. Fotos, Dokumente und programmspezifische Angaben fehlen oft. Sichern Sie zusätzlich im vollständigen Format Ihres Programms oder Dienstes.